Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) bilden zusammen mit der dahinter liegenden Außenwand (Mauerwerk, Beton, Holzkonstruktionen) einen zweischaligen Wandaufbau, der Wetterschale und tragende Wand konstruktiv trennt. Der systembestimmende Hinterlüftungsspalt führt Feuchte aus der Wandkonstruktion ab und verbessert den Wärme- und Schallschutz.
VHF-Systeme eignen sich ebenso für die Gestaltung von Neubauten wie für die energetische Optimierung von Bestandsbauten. Wesentliche Bestandteile einer durch die DIN 18516 geregelten VHF sind die Unterkonstruktion (UK), die Wärmedämmung und die Bekleidung. Letztere kann fugenlos auf fest verschraubten Trägerplatten oder fugenbetont mit eingehängten Paneelen erfolgen. Für die fugenbetonte Ausführung sprechen die Revisionierbarkeit einzelner Paneele ebenso wie der hohe Vorfertigungsgrad, der für schnelle, saisonunabhängige Baustellenabläufe bei geringem Platzbedarf sorgt. Der Montageaufwand ist ebenso auf ein Minimum reduziert wie Lärm- und Staubemissionen. Ausladungen der Unterkonstruktion bis zu 600 Millimetern können auch größere Unebenheiten ausgleichen und sind heutzutage Standard, aber auch größere Abstände bis zu 1400 Millimetern wurden schon gemeistert.

StoVentec Glass ist eine fugenbetonte opake Glasfassade. Die einzelnen Paneele sind dabei bis zu sechs Quadratmeter groß. Sie bestehen aus farbigem Einscheiben-Sicherheitsglas auf einer Trägerplatte, die selbst zu über 90 Prozent aus Recycling-Glas hergestellt wird. Hochzugfestes Glasfasergewebe verleiht der Recyclat-Platte eine Lastabtragungscharakteristik, die mit der von Stahlbeton vergleichbar ist. Dennoch ist das Eigengewicht der zwanzig Millimeter dünnen Platte mit 9,6 kg/m2 sehr gering. Die werkseitig hergestellten Sandwich-Paneele werden nicht sichtbar mit rückseitig angebrachten Agraffenprofilen in die Unterkonstruktion eingehängt. StoVentec Glass kann auf Fassaden und im Gebäudeinneren eingesetzt werden. Das System ist auch als Deckenbekleidung für die Über-Kopf-Montage bauaufsichtlich zugelassen.
Die technische Qualität einer VHF entscheidet sich mit der Unterkonstruktion. Wandhalter aus Edelstahl sind herkömmlichen Produkten aus Aluminium deutlich überlegen, da sie die Wärme zehn- bis dreizehnmal schlechter leiten. Vor allem bei Passiv- oder Null-Energie-Häusern wird so der Einfluss von Wärmebrücken auf ein Minimum reduziert. Das deutsche Passivhaus Institut hat darum einer Variante der StoVentec-Unterkonstruktionen mit Edelstahlwandhaltern bescheinigt, für einen „wärmebrückenfreien Anschluss“ (∆UWB-Wert von ≤ 0,010 W/m²K) zu sorgen.
Als Dämmmaterial dient bei StoVentec Glass nicht brennbare Stein- oder Glaswolle, deren Lage durch Dübel mechanisch gesichert wird. Das Gesamtsystem bietet somit einen hochwertigen Brandschutz.
Auch beim Schallschutz kann das System exzellente Werte vorweisen. Es verbessert das bewertete Schalldämmmaß R’w von Massivwänden um rund 18 dB – das entspricht deutlich mehr als einer Halbierung der empfundenen Lautstärke. Krankenhäuser oder Verwaltungsbauten und andere Gebäude, die hohem Verkehrslärm ausgesetzt sind, erhalten so einen besonders guten Schallschutz.
An den Systemanschlüssen (Gebäudeöffnungen, Attika, Sockel etc.) entstehen Übergänge, die sachkundig ausgebildet werden müssen. Sto hält hierfür eine Vielzahl an ausgereiften Detaillösungen bereit, je nachdem, ob es sich um horizontale oder vertikale Anschlüsse handelt, ob Fugen in der Fläche liegen beziehungsweise mit einer Kante der Kubatur zusammenfallen, ob Fugen offen bleiben oder ob sie geschlossen werden. Neben den technischen Details bietet Sto darum umfangreiche Beratungsleistungen. Ausgewiesene VHF-Spezialisten und Projektmanager stehen Architekten und Handwerkern in jeder Phase der Planung und bei jedem Detail beratend zur Seite.
VHF-Systeme ermöglichen auch bei Sanierungen im bewohnten Zustand aufgrund ihres hohen Vorfertigungsgrads eine schnelle und vor allem witterungsunabhängige Montage am Bau. Sie sind äußerst widerstandsfähig und sind vor allem in der mittel- und langfristigen Betrachtung sehr wirtschaftlich. Ihre Nutzungsdauer entspricht der des Gebäudes, wobei die der Witterung ausgesetzte Oberfläche den gleichen Instandhaltungsintervallen unterliegt, wie sie bei einschaligen monolithischen Fassadenkonstruktionen üblich sind.
Neben StoVentec Glass bieten die Systemspezialisten aus dem Schwarzwald zahlreiche weitere VHF-Varianten. Geht es um fugenlose Fassaden können Sto-VHF mit Keramik, Naturstein, Putz, Glas oder Glasmosaik belegt werden. Ist eine fugenbetonte Fassade gewünscht, kann zwischen Glas, Naturstein und photovoltaisch aktiven Glaspaneelen, die optisch kaum von nicht aktiven Glaspaneelen unterscheidbar sind, gewählt werden.