Der Spar- und Bauverein Hannover existiert seit über 140 Jahren und ist somit die älteste Wohnungsgenossenschaft in der niedersächsischen Hauptstadt. Auch im äußersten Südwesten der Landeshauptstadt, im Stadtteil Wettbergen, verfügt er über etliche Mehrfamilienhäuser. Getreu dem eigenen Anspruch, „bis zum Jahr 2045 unseren gesamten Gebäudebestand klimaneutral zu bewirtschaften“, lässt die Genossenschaft derzeit acht 8-Parteien-Häuser sanieren.
Fassadendämmung ist der Schlüssel ...
Die in der Rudolfstraße und In der Rehre gelegenen Gebäude wurden in den 1970er Jahren errichtet und sind mit Gasetagenheizungen ausgestattet. Aufgrund gering dimensionierter Dämmsysteme verbrauchen sie sehr viel Heizenergie. Vor rund 50 Jahren galten Dämmstärken von sechs Zentimetern straßenseitig unter einem Edelkratzputz und vier Zentimetern innenhofseitig unter einem Belag von Flachverblendern als Stand der Technik. Doch da der Spar- und Bauverein mit der Sanierung die staatlich geförderte Effizienzhaus Stufe 40 anstrebt, ist eine deutliche Verstärkung der Fassadendämmung ein wichtiger Schlüssel zur Erreichung der ehrgeizigen Energieeffizienz-Ziele und Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb eines Heizungssystems auf der Basis von Wärmepumpen mit Erdwärmekollektoren.
... und Aufdopplung die passende Lösung
Wärmedämm-Verbundsysteme auf der Basis von Polystyrol (EPS) sind besonders wirtschaftlich und weisen – im Vergleich zu vielen anderen Dämmstoffen – eine sehr gute Energie- und CO2-Bilanz auf. Und auch nach einem halben Jahrhundert Standzeit können sie weiter genutzt werden, da eine sogenannte „Aufdopplung“ in der Regel problemlos möglich und bauaufsichtlich zugelassen ist. Das zeigte bereits 2016 eine vom Bundesbauministerium geförderte Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik („Nachdämmung [Aufdopplung] alter Wärmedämmverbundsysteme an Wohngebäuden“). Dieses Vorgehen senkt nicht nur Heizenergieverbräuche und erhöht die Wohnbehaglichkeit sondern vermeidet auch das Anfallen von Abfällen bei der Fassadensanierung.
Neu auf alt
Zunächst ließ das Planungsbüro Studiostadt Hannover das Altsystem an mehreren Stellen öffnen, um die Standfestigkeit zu prüfen. Dabei wurde es ebenso von den Sto-Fassadenprofis unterstützt wie bei der Dübelmengenberechnung und der Brandriegelplanung. Die Ausführung der Aufdopplung des Dämmsystems übernahmen temps Malereibetriebe aus Neustadt am Rübenberge. Im ersten Schritt wurden – um heutigen Brandschutzanforderungen gerecht zu werden – die Fassaden an den Stellen rückgebaut, an denen es galt, umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle zu platzieren. Anschließend wurden auf das Altsystem neue EPS-Platten (Sto-Dämmplatte Top32, 16 cm) geklebt und gedübelt. Im Bereich des Sockels und rund um die Hauseingänge kam Mineralwolle zum Einsatz, während im Bereich der Loggien das platzsparende Hochleistungsdämmsystem StoTherm Resol gewählt wurde. Abschließend werden die Fassadenflächen mit dem Siliconharz-Oberputz StoSilco® K beschichtet. Die Oberflächen der Eingangsbereiche werden von robusten Klinkerriemchen geschützt. Um die Energieeffizienz weiter zu steigern, wurden zudem die Fenster und Türen ausgetauscht sowie die Kellerdecke und die oberste Geschossdecke gedämmt.
Bauherr: Spar- und Bauverein Hannover, DE
Planung: Studiostadt, Hannover, DE
Ausführung: temps GmbH Malereibetriebe, Neustadt am Rübenberge, DE
Sto-Kompetenzen: WDVS (StoTherm Vario und StoTherm Resol), Unterputz (StoLevell Duo Plus), Oberputz (StoSilco® K) und Klinkerriemchen StoBrick, Gestaltungsentwurf (StoDesign), Vorab-Lieferung von Putz- und Farbmustern

Die Forderung, die Dämmung eines Gebäudes der Klasse 4 mit Brandriegeln zu versehen, existierte in den 1970er Jahren noch nicht. Das Altsystem wird daher geöffnet, um die Mineralwollestreifen direkt auf dem Mauerwerk zu verankern. Foto: Günther Fotodesign, Mehna, DE

In gut gedämmten Häusern können Wärmepumpen wirtschaftlich genutzt werden. Da sie keine Rauchgase emittieren, werden die Schornsteine nicht mehr benötigt. Ihre Köpfe können abgebaut und die Dachflächen geschlossen werden. Foto: Günther Fotodesign, Mehna, DE

Da keine Perimeterdämmung notwendig war, setzt das WDVS auf einer Sockelschiene (Sto-Startprofil PH-K mit Sto-Verbreiterungsprofil PH) auf. Foto: Günther Fotodesign, Mehna, DE

Mit einem speziellen Montagewerkzeug wird der Sto-Thermodübel II UEZ 8/60 15 Millimeter tief im EPS versenkt. Anschließend wird die Öffnung mit einem EPS-Rondell verschlossen. Foto: Günther Fotodesign, Mehna, DE