
Der zementgraue Klinker kontrastiert im Foyer mit Oberflächen aus Eichenholz sowie bronzefarbenen Akzenten. Foto: Johannes Vogt, Mannheim

Der große Saal mit seiner außergewöhnlichen Deckenkonstruktion aus bronzefarbenen Akustikoberflächen und verformten schwarzen Fugen ist das Herzstück der Stadthalle. Foto: Johannes Vogt, Mannheim

Die ehemals fensterlose Nordfassade wurde mit schmalen, hohen Fenstern gegliedert, durch die Tageslicht ins Innere des Gebäudes gelenkt wird. Foto: Johannes Vogt, Mannheim

Der neu gestaltete Eingangsbereich mit der zweigeschossigen Foyer-Verglasung und dem vorgezogenen Dach, dessen Untersicht golden-metallisch schimmert, wirkt offen und einladend. Foto: Johannes Vogt, Mannheim
Nach fast 40 Jahren Kulturbetrieb war die Stadthalle der im Norden Baden-Württembergs gelegenen 35.000-Einwohner-Gemeinde Sinsheim ökonomisch und ökologisch-energetisch veraltet. Außerdem sollte die Stadthalle zu einem kulturellen Mittelpunkt sowie einer integrativen Begegnungsstätte weiterentwickelt werden. Die Stadt Sinsheim entschied sich für einen geladenen Wettbewerb, aus dem im Januar 2015 das ortsansässige Büro Fischer Ziebold Architekten als Sieger hervorging. Im Frühjahr 2017 wurde mit den Sanierungsarbeiten begonnen.
War der Eingangsbereich bisher eher unscheinbar, rückten ihn die Architekten in ihrem Entwurf in den Fokus: Das Dach wurde über den nun zweigeschossig verglasten Eingang hinausgeschoben und ruht auf einer schlanken Stützenreihe. Die mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (StoVentec R) gestaltete Untersicht wurde verputzt und mit einer golden-metallischen Beschichtung (StoColor Metallic) versehen. Mit dieser repräsentativen Willkommensgeste werden die Besucher am Ende des Vorplatzes empfangen und direkt in das großzügige, ebenfalls zweigeschossige Foyer geführt. Auch der seitliche Eingang zur Bibliothek wurde deutlich hervorgehoben und behindertengerecht umgestaltet.
Die mit einem auf Mineralwolle basierenden System (StoTherm Mineral) gedämmte Fassade ist mit schmalen, hellen Klinkern (StoBrick) belegt, die von den Fassadenprofis der BB Stuck in Aldingen im oberen Teil vertikal, im unteren hingegen horizontal verlegt wurden, was dem Gebäude ein sowohl homogenes als auch strukturiertes Erscheinungsbild verleiht. Dank ihres hohen Dämmwerts verschafft die neue Fassade der Stadthalle sowohl niedrige Heizkosten als auch eine extrem verbesserte Ökobilanz.
Unterbrochen wird die Klinker-Optik von abgesetzten, mit goldenen Putzoberflächen gestalteten Feldern, die an einen unregelmäßig gefalteten Bühnenvorhang erinnern und dezent auf die kulturelle und festliche Nutzung der Stadthalle verweisen. Die hellen Klinker setzen sich ein Stück weit in den Innenraum fort und werden dort mit bronzefarbenen Oberflächen und solchen aus Eiche kombiniert. Die warmen Farbtöne auf einem organisch gebundenen Innenputz (StoDecolit) und die Reduktion auf wenige Farben sorgen für ein elegantes und stilvolles Ambiente.
Im Foyer der Stadthalle wurden die einzelnen Elemente neu sortiert und die ursprüngliche Treppenposition geändert. Dadurch ergibt sich eine optimierte Struktur, durch die der Besucher vorbei an Kasse, Garderobe und Aufzug ganz selbstverständlich zum Saal im Obergeschoss geführt wird. Die Fassadenöffnungen und die eingeschnittene Dachterrasse sorgen dabei sowohl für viel Tageslichteinfall als auch für attraktive Blickbeziehungen zwischen den Geschossen sowie zwischen Innen- und Außenraum.
Beiden Foyer-Etagen sind jeweils Theken zur Pausenbewirtung zugeordnet. So kann auch der „Kleine Saal“ im Erdgeschoss über das Foyer mitversorgt werden. Der große Veranstaltungssaal bildet das Herzstück der modernisierten Stadthalle: Ein besonderes Highlight bietet die Saaldecke mit ihrer Abfolge von geometrisch geknickten Formteilen aus bronzefarbenen Akustikoberflächen. Alle technisch erforderlichen Einbauteile verschwinden optisch in schwarzen Fugen zwischen den einzelnen Deckenelementen. Die flexible Teilbarkeit der Halle über die ebenfalls erneuerte mobile Trennwand macht auch kleinere Veranstaltungen im halben oder Drittel-Saal möglich. Eine neue blendfreie, nord-ost-ausgerichtete Glasfassade sowie schmale Öffnungen nach Norden sorgen für eine optimale Belichtung des Saals und schaffen eine optische Verbindung zur Stadt.