
Wir Menschen nehmen nur 39 Prozent der Sonneneinstrahlung als Licht war. Zur Aufheizung von Oberflächen trägt aber auch der Rest bei.

Die thermografische Aufnahme zeigt den Unterschied: Die zweite und vierte Tafel (von links) des Testaufbaus ist mit einer auf NIR-Pigmenten basierenden Farbe beschichtet. Sie reflektiert große Teile der Sonnenenergie, wodurch die Oberfläche der Tafeln deutlich kühler bleibt.

Die dunkle Fassade eines Essener Apartmenthauses kommt dank NIR-Technologie auch mit sommerlichen Hitzeperioden gut klar. Foto: Guido Erbring, Köln

NIR-Beschichtungen wie StoColor X-black reflektieren einen Großteil der Sonnenstrahlung und reduzieren – hier an einem Essener Apartmenthaus – das Risiko eines Schadens durch Überhitzung. Foto: Martin Baitinger, Böblingen
Sehr dunkle Farbtöne waren in der Vergangenheit oft eine Herausforderung für die Hersteller von Fassadenbeschichtungen, da die thermische Beanspruchung solcher Flächen sehr hoch war. Dunkle Oberputze können sich – in allen Klimazonen – auf über 80 °C aufheizen, was zu erheblichen Spannungen im Materialgefüge führt. Das ist kritisch für die Oberflächen selbst, kann aber auch die Untergründe schädigen.
Heute lassen sich auch dunkle Putzfassaden risikofrei realisieren. Der Schlüssel dazu ist die Reflexion eines Teils der solaren Strahlungsenergie. Diese liegt nur zu 39 Prozent im Bereich des sichtbaren Lichts, drei Prozent entfallen auf den ultravioletten Bereich und ganze 58 Prozent auf das Infrarotspektrum. Die sogenannte NIR-Technologie (NIR = near infrared radiation) nutzt diesen Umstand, indem sie mit Hilfe eines speziellen Schwarzpigments, besonderer Füllstoffe und gezielter Buntpigmentrezepturen genau diese Nah-Infrarot-Wellen reflektiert. Wie durch einen Sonnenschirm geschützt, heizen sich die Oberflächen um 15 bis 20 Prozent geringer auf, so dass sie die kritischen 65° Celsius nicht überschreiten.
Da sich dieser Prozess jedoch nicht im Bereich des sichtbaren Lichts abspielt, kann die Fähigkeit einer Beschichtung zu solcher Reflexion auch nicht mit Begriffen beschrieben werden, die der Beurteilung optischer Phänomene dienen. Der Begriff des Hellbezugswerts (HBW) ist daher nicht nutzbar, da er den besonders energieintensiven Nah-Infrarot-Anteil des Lichts unberücksichtigt lässt. Die korrekte Maßeinheit zur Beschreibung dieser physikalischen Realitäten ist die Total Solar Reflectance (TSR). Je höher der TSR-Wert, desto mehr solare Strahlung wird reflektiert und desto kühler bleibt die bestrahlte Oberfläche. Im Gegensatz zum Hellbezugswert entzieht sich der TSR-Wert jedoch einer optischen Kontrolle, er muss vom Hersteller der Beschichtung in Abhängigkeit der Rezeptur und des Farbtons angegeben werden. Er sollte stets über 25 liegen – wird die NIR-Technologie eingesetzt, spielt er keine Rolle mehr.
Sto hat die NIR-Technologie seit 2010 maßgeblich für den Einsatz an Fassaden weiterentwickelt, um kräftig getönte und selbst schwarze Fassadenoberflächen problemlos möglich zu machen. Inzwischen stehen mehrere wärmereflektierende Fassadenfarben zur Verfügung. Den Anfang machte StoColor X-black, eine Fassadenfarbe für die Beschichtung von organischen und mineralischen Untergründen. Später kamen drei Mitglieder einer bionischen Fassadenfarben-Familie hinzu. StoColor Dryonic und StoColor Dryonic S sorgen für schnellstmögliche Trocknung von Oberflächen nach Regen oder Taubildung. Die biozidfreien Farben, die auf nahezu allen bauüblichen Untergründen einsetzbar sind, können auf Wunsch auch mit der X-black Technologie ausgerüstet werden. Im Gegensatz dazu ist die wärmereflektierende Eigenschaft bei StoColor Dryonic Wood – der Spezialvariante für Holzuntergründe – stets integriert. Die Farben Lotusan und StoColor Solical können auf Wunsch ebenfalls mit der Technologie ausgerüstet werden.