



Vier Wohnhäuser aus den frühen 1970er-Jahren konnten von Fürst Architects aus Düsseldorf trotz schwieriger Ausgangslage in den KfW 70-Standard überführt werden. Gleichzeitig gelang es dem auf Bauen im Bestand spezialisierten Büro, das Erscheinungsbild des Ensembles dank geschickt eingesetzter Fassadenmaterialien erheblich zu verbessern.
In Monheim am Rhein, südlich von Düsseldorf, wurden vier Häuser eines aus acht Wohngebäuden bestehenden Riegels in beispielhafter Weise saniert. Die 1973 gebauten vier Wohnhäuser im Besitz der Steffens Wohnungsgesellschaft aus Düsseldorf umfassen 69 Wohneinheiten. Seit ihrer Errichtung wurde die Wohnanlage baulich nicht verändert. Das sah man ihr zuletzt auch deutlich an. Die in beeindruckender Geschwindigkeit durchgeführte Sanierung (März bis Dezember 2024) im bewohnten Zustand – wobei die Mieterkoordination durch das Architekturbüro erfolgte – hatte neben einer gesteigerten Wohn- und Aufenthaltsqualität zum Ziel, den Energieverbrauch der vier Häuser deutlich zu drosseln.
Ein Abriss kam trotz der schlechten Effizienzwerte nicht in Frage, da einerseits die graue Energie der 70er-Jahre Bauten erhalten werden sollte und da andererseits die Qualität der bestehenden Grundrisse geeignet schien, noch viele Jahre lang nachgefragt zu werden. Folgerichtig fiel die Entscheidung, den Bestand in funktionaler Hinsicht vielfältig zu ertüchtigen. Doch dafür musste die Bausubstanz laut Fürst Architects „auf Links gekrempelt“ werden.
Die Gebäude und Treppentürme waren 1973 in Modulbauweise mittels vorgefertigter Betonelemente errichtet worden. Die Bauausführung war dabei recht unpräzise, was teilweise zu Bautoleranzen von bis zu zehn Zentimetern führte. Diese wurde durch eine an vielen Stellen „angepasste“ vorgehängte hinterlüftete Metallfassade kaschiert. Diese Fassade wurde nun rückgebaut und durch ein nicht brennbares Fassadendämmsystem (StoTherm Mineral) ersetzt, wobei es galt, zahlreiche bauliche Wärmebrücken zu beseitigen. Dass dies so gut gelungen ist, dass das ehrgeizige Ziel einer KfW 70-Zertifizierung erreicht werden konnte, verdankt sich der „sehr guten Arbeit“ des Malerunternehmens Lurvink aus Bocholt, dem es immer wieder gelang, die unpräzisen Bestandsdetails auszugleichen.
Die grundlegende Sanierung verfolgte neben technischen Details wie einem Umbau der künftig durch Photovoltaik unterstützten Heizung ein klares Konzept bezüglich der Gestaltung der Fassaden und Treppenhaustürme. Besonders augenfällig bei der Gestaltung der Baukörper ist die Materialvielfalt, mit der die Architekten die gesamte Wohnanlage auf ein neues Level brachten.
Helle beige und anthrazitfarbene Klinkersteine gliedern die Fassaden vertikal, indem sie mal die Treppentürme akzentuieren, mal Fenstergruppen vertikal zusammenfassen. Gleichzeitig sorgen die gewählten Klinkerverbünde für eine horizontale Struktur, die im Erdgeschoss noch dadurch verstärkt wird, dass einige Reihen mit dickeren Steinen (StoBrick 3120, 240 x 52 x 23 mm) ausgeführt wurden.
Ein besonderes Augenmerk galt den Eingangsbereichen. Deren großzügige Windfänge wurden außen mit feingeschliffenen Kalksteinplatten (StoFossil Bavaria Yellow) belegt. Das Innere der witterungsgeschützten Bereiche wurde mit glasierten keramischen Fliesen (StoCera) in drei Farbtönen gestaltet und mit Aushangkästen und Sitzgelegenheiten aufgewertet.
Der außergewöhnlich ausgeprägte Vorher-Nachher-Effekt bei dieser grundlegenden Sanierung sorgt für deutlich gewachsene Identifikation der Bewohner mit „ihrer“ Wohnanlage.