
Foto: Christian Richters, Berlin, DE

Metall, Glas und unbeschichtete Flächen (Beton, Estrich, Putz) prägen die Gemeinschaftszonen, aufgelockert durch Eichenholzelemente wie die zum Sitzen geeigneten Fensterfaschen. Foto: ENKE WULF architekten, Berlin, DE

Eine moderne Formen- und Materialsprache prägt die Gemeinschaftsflächen. Foto: Christian Richters, Berlin, DE

Foto: Christian Richters, Berlin, DE

Foto: Christian Richters, Berlin, DE

Obwohl die Fensteröffnungen keinem klar erkennbaren Raster folgen, strahlen die Baukörper Ruhe und Eleganz aus. Foto: ENKE WULF architekten, Berlin, DE

Foto: ENKE WULF architekten, Berlin, DE

Eine ursprünglich das Schulgelände umfassende Porphyrmauer wurde rückgebaut, geschreddert und als farb- und strukturgebender Zuschlag in die neue Betonumfassung integriert. Foto: ENKE WULF architekten, Berlin, DE

Für zeitgemäßen Wärmeschutz sorgt ein Fassadendämmsystem, dessen Oberputz in Besenstrichoptik ein variantenreiches Licht- und Schattenspiel bietet. Foto: Christian Richters, Berlin, DE

Einbauelemente aus Eichenholz sorgen für warme Akzente und laden zu einem Schwatz im Treppenhaus. Foto: Christian Richters, Berlin, DE
Auf einem ehemaligen Schulgelände haben ENKE WULF architekten fünf Mehrgenerationenhäuser geschaffen, die den Anspruch der auftraggebenden Wohnungsbaugenossenschaft, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, in mehrfacher Hinsicht mustergültig umsetzen. Das Gebäudeensemble führt den Beweis, dass soziales, ökologisches und bezahlbares Bauen sehr wohl mit hohen Gestaltungsansprüchen einhergehen kann.
Inmitten einer fast 100 Jahre alten Gartenstadtsiedlung in Halle an der Saale hat die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Eigene Scholle“ eG fünf zeitgemäße Wohnhäuser nach Plänen des Berliner Büros ENKE WULF architekten geschaffen. Die fünf Häuser gruppieren sich in direkter Nachbarschaft zu einem denkmalgeschützten ehemaligen Schulbau um gemeinsame Grünanlagen, die frei von öffentlichen Erschließungen blieben. Das Ensemble beinhaltet 57 Wohnungen (4.155 m2 Wohnfläche) unterschiedlicher Typen und Größen, die im Geiste des Mehrgenerationenwohnens durchgängig barrierefrei gestaltet wurden.
Die Fassadengestaltung ist geprägt von ungestrichenen Besenzugputzen, glatt verputzten Fensterlaibungen und großformatigen Sitzfensterelementen. Die Fensteröffnungen folgen keiner stringenten Ordnung, wirken aber dennoch ruhig und geordnet, inmitten der klaren Eleganz der modernen Kubaturen mit angedeuteten Satteldächern und geneigten Traufen. Dank der gekonnten Ausführung der besenstrukturierten Putze durch Steffen Kirchner Maler, Zeulenroda-Triebes, bieten die Fassaden der Baukörper ein je nach Sonnenstand wechselndes Spiel von Licht und Schatten. Im Inneren dominieren Sichtbeton, Sichtestrich und ebenfalls unbeschichtete Putze. Kontrastiert werden sie von geölten Eichenholzelementen in den Sitznischen der Treppenhäuser, den Sitzfenstern und den Wohnungseingängen. „Eine offene Raumgestaltung und die Nutzung der Dachgeschosse als Galerieräume bieten abwechslungsreiche Grundrisse, die viele Nutzergruppen ansprechen und auf Dauer eine gemischte Bewohnerstruktur sichern werden“, lobten die Jurymitglieder, die das Projekt mit dem „Deutschen Bauherrenpreis 2020“ ausgezeichnet haben. Auch die vorbildliche Einbindung der Genossenschaftsmitglieder in den Entwurfsprozess wurde gewürdigt: „Eine kleinere Wohnungsbaugenossenschaft hat auf einem nicht einfachen Markt moderne Formen des Wohnungsbaus partizipativ und sehr anspruchsvoll umgesetzt“, so das Fazit der elfköpfigen Jury.
Ein Fassadendämmsystem (StoTherm Classic®) minimiert Wärmeverluste und ermöglicht so, dass das Heizen (und die Warmwasserbereitung) mittels Solarthermieflächen und Fernwärme äußerst wirtschaftlich erfolgen kann. Ein begrüntes Retentionsdach mit nachgeschalteter Zisterne entlastet die öffentliche Infrastruktur bei Extremwetterereignissen und sorgt für eine umweltfreundliche und kostengünstige Bewässerung der Grünanlagen mittels Regenwasser. Der Einsatz von zum Teil seriell vorgefertigten Bauelementen trug dazu bei, dass die Baukosten (Kostengruppe 300 und Kostengruppe 400) mit 2.040,– Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nicht aus dem Ruder liefen. Das Gebäudeensemble wurde ob seiner klaren Architektursprache und seiner gekonnten Umsetzung der sozialen und ökologischen Zielsetzungen mit dem Deutschen Bauherrenpreis 2020 gewürdigt. Hinzu kamen eine Auszeichnung beim Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019 und eine Nominierung zum DAM-Preis für Architektur in Deutschland 2021.
MGW II_Eigene Scholle_Lageplan | PDF 7 MB
MGW II_Eigene Scholle_Lageplan Erdgeschoss | PDF 2,6 MB
MGW II_Eigene Scholle_Ansicht SN_längs | PDF 1,5 MB
MGW II_Eigene Scholle_Ansicht SN_quer | PDF 1,3 MB
MGW II_Eigene Scholle_Ansicht Iso | PDF 1,3 MB
Mehrgenerationswohnen II „Eigene Scholle“, Halle (deutscherbauherrenpreis.de)