





Kleine Fläche optimal genutzt: Die Dachaufsicht zeigt das Oberlicht des Treppenraums und die Photovoltaikanlage.



Neubau mit historischem Bezug: Der vielkantige Baukörper markiert den Eingang ins Viertel, wo einst das Hohentor stand.

Der polygonale Bau formt den Stadtraum: Er nimmt die Straßenachsen der Umgebung auf, schließt Raumkanten und lässt durch Rücksprung einen Vorplatz entstehen.


Mit der graugrünen Fassadenbekleidung und den ockerfarbenen Brüstungen und Fensterprofilen setzt der neue Wohnbau auffallende Farbakzente.


Durch das große Oberlicht in der Mitte des Gebäudes gelangt Tageslicht in den innenliegenden, großzügig gestalteten Treppenraum.
Wohnbau statt Parkplatz – das „Grüne Haus“ in Bremen setzt mit seiner markanten Kubatur und der grünlich schimmernden Fassade einen unübersehbaren städtebaulichen Akzent auf dem keilförmigen Grundstück. Wo zuvor der ruhende Verkehr dominierte, finden jetzt Wohnungen und Gastronomie ihren Platz. Als Mischung aus frei finanzierten und geförderten Wohneinheiten mit niedrigem Mietpreis werden Bewohner mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund angesprochen.
Wo einst das Hohentor als Teil der Bremer Stadtbefestigung den Zugang zur Stadt regelte, markiert nun ein geheimnisvoll schimmernder Wohnturm den Übergang zum Bremer Süden. Am Rand der Neustadtwallanlage wurde das spitz zulaufende Grundstück lange Zeit als Parkplatz genutzt und rückte zunehmend ins Interesse städtebaulicher Entwicklung. Aus einem vom Bremer Wohnungsbauunternehmen GEWOBA ausgelobten Wettbewerb ging der ungewöhnliche Entwurf von Hild und K Architekten als Sieger hervor.
Der achtgeschossige Neubau am Hohentorsplatz hebt sich durch seine Höhe und Form vom Kontext ab. Er tritt als homogener, selbstbewusster Stadtbaustein in Erscheinung. Zugleich erzeugen die Einschnitte nach der vierten und sechsten Etage sowie die Transformation von kantigen zu abgerundeten Gebäudeecken eine subtile Gliederung der Kubatur. Trotz seiner Höhe sucht der Baukörper durch die Zäsur in der Fassade den Bezug zur umgebenden Bebauung. Die Kanten des Neubaus greifen verschiedene Straßenachsen auf, sodass ein Solitär mit polygonaler Grundfläche entsteht. Das Gebäude schiebt sich Richtung Grundstücksspitze, ohne sie tatsächlich zu besetzen. Stattdessen bleiben rund um den Wohnturm mal kleinere, mal größere Freibereiche, die der Erschließung oder als Vorplatz dienen.
Im Erdgeschoss ist eine gastronomische Nutzung untergebracht, die zum Vorplatz orientiert ist und der Belebung des Viertels zuträglich ist. In den Obergeschossen befinden sich 52 Wohneinheiten mit einer Göße von 30 und 74 Quadratmetern.
Bei der Grundrissorganisation war die gemeinschaftsfördernde soziale Durchmischung von Bedeutung. Die Ein- bis Dreizimmerwohnungen gruppieren sich rund um das zentrale Treppenhaus. Frei finanzierte und geförderte Wohnungen sind dem Treppenbereich gleichermaßen zugeordnet. Auch in der Organisation und Ausstattung des Innenraums sind die Wohnungstypen vergleichbar. Unabhängig von sozialen Unterschieden bietet die Architektur den Bewohnern gleichberechtigt eine qualitätsvolle Wohnumgebung. Die polygonale Grundfläche und durchdachte Grundrissaufteilung führt zu einer ausgewogenen, natürlichen Belichtung aller Wohneinheiten.
Wert auf eine gute Belichtung wurde auch bei der Erschließung gelegt: Der innenliegende Treppenbereich schlängelt sich großzügig um einen Luftraum und wird durch das direkt darüberliegende Oberlicht erhellt. Dieser Lichtschacht erlaubt es, die für einen Wohnbau untypische Gebäudetiefe zu bewältigen.
Neben der innovativen Eckausbildung fällt vor allem die Farbgebung der Fassade ins Auge. Die Kombination aus ockerfarbenen Fensterprofilen und graugrün changierenden, glasierten Klinkerriemchen ist kontrastreich und harmonisch zugleich. Die Architekten demonstrieren einen variantenreichen Umgang mit der Bekleidung hinsichtlich Formaten, Farbnuancen und Einbaurichtung. Diese Vielseitigkeit des Materials zusammen mit seiner reflektierenden Oberfläche erzeugt ein lebhaftes Licht und Schattenspiel.
Darüber hinaus galt es, die Fassade sowohl kostensparend als auch ergebnissicher auszuführen, um eine ästhetische und langlebige Architektur mit hoher Akzeptanz zu realisieren und so die Ökobilanz positiv zu beeinflussen. Als Lösung haben die Architekten das Fassadendämmsystem StoTherm Mineral hinter der keramischen Bekleidung verborgen, wobei sie bei der Detaillierung der Fassade darauf achteten, potenzielle Schadensstellen auszuschließen. Die robusten Klinkerriemchen schützen die Dämmschicht vor Umwelteinflüssen und sichern die Attraktivität der Fassade über viele Jahrzehnte hinweg.
Ansichten | ZIP 9,5 MB
Grundrisse | ZIP 3,1 MB
Lagenplan | ZIP 0,5 MB
Schnitte | ZIP 0,2 MB
Auszeichnungen und Publikationen für “Wohnen am Hohentorsplatz – Hild und K“