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Villa Verde (Wohn- und Geschäftsbau), Niedervintl (IT)

Projekt

Villa Verde (Wohn- und Geschäftsbau)

Fertigstellung

2011

Architekt

Stefan Hitthaler, Bruneck, IT

Ausführung

Emmbau GmbH, St. Lorenzen, IT

Bauherr

Tofisch & Partner, Niedervintl, IT

Produkte

Fassadendämmsystem (StoTherm Classic®), Fassadenputz (Stolit® k 6), Innenputz (StoSil In K 1,5)

Photos

Jürgen Eheim, Brixen, IT

Neben seiner Leidenschaft, dem Reisen, nehmen sowohl die Firma Tofisch & Partner als auch seine Familie den größten Teil der Zeit des Bauherrn ein. Daher entschloss er sich, Berufs- und Privatleben in einem Gebäude zusammen zu fassen. Zu diesem Zweck ließ er vom Architekten Stefan Hitthaler ein Wohn- und Geschäftsbau entwerfen. Es entstand ein Gebäude, dessen Gestaltung sowohl Bezug zur Umgebung herstellt als auch durch die Eindrücke vieler Reisen des Bauherrn inspiriert ist.

„Villa Verde“, die grüne Villa, nennen Bauherr und Architekt den dreigeschossigen kubischen Wohn- und Geschäftsbau mit der auffälligen hellgrünen Putzfassade in Niedervintl, im Pustertal. Als der Bauherr den Architekten Stefan Hitthaler vor einigen Jahren zum ersten Mal in seinem Büro besuchte, diskutierten sie viel über gestalterische Herangehensweisen. Ihm war wichtig, in der Architektur die Verbundenheit mit seiner Heimat zum Ausdruck zu bringen. Daher sollte das Gebäude sowohl Bezug zur Natur der direkten Umgebung, dem Pustertal, aufbauen als auch vom aufregenden Leben des Bauherrn erzählen, der als Extremsportler schon viele Länder per Rad, zu Fuß oder mit Skiern durchquert hat. Besonders beeindruckend waren für ihn die Touren mit dem Mountainbike durch die Mongolei – von diesem „Geist“ sollte auch etwas in der Architektur zum Ausdruck kommen.
Zusammen mit der Hanglage des Grundstücks rgaben diese Aspekte die Eckpunkte im Entwurf des Architekten. Aus ihnen filterte er wesentliche Elemente heraus, um sie baulich umzusetzen: So reduzierten er zum Beispiel die Komponente „Umgebung“ auf das Thema „Stein“, denn Steine sind die kleinste Einheit der Berge, die das Tal bilden. Inspirieren ließ sich der Architekt von einem im Nachbarort gelegenen Steinbruch. Das Spalten und Zersägen von Steinen, die dabei entstehenden glatten und rauen Bruchstellen wirken archaisch und erdverbunden. Dieser optische und haptische Reiz sollte auf das Gebäude übertragen werden. Der Architekt entwarf hierfür eine Fassade, die wie ein gebrochener Stein wirkt. Um dieses Erscheinungsbild zu erreichen, wählte der Architekt eine ungewöhnliche Oberflächengestaltung. Der Putz an der Fassade ist abwechselnd rau und fein ausgeführt – das Raue entspricht dem grob gebrochenen Stein, das Feine soll an glatt gesägte Schnittstellen erinnern. Zudem erhielt der Putz einen hellen Grünton. Es entspricht dem grünlich schimmernden Farbton des in der Umgebung vorkommenden Mineralgestein Serpentin. Nach Norden, zur Straße und zu den Nachbarn hin, zeigt sich der Bau relativ geschlossen. Nach Süden jedoch, hangabwärts und vor den Blicken von Nachbarn und Passanten geschützt, nutzt Hitthaler das Potenzial des Grundstücks und öffnet das Haus zum Tal und den umgebenden Bergen. Große Fensterflächen im Erdgeschoss, dem Wohnraum des Bauherrn, ermöglichen freie Aussicht auf die atemberaubende Landschaft des Pustertals. Auch von den weit aus der Fassade geschobenen Balkonen des Bürogeschosses und der Einliegerwohnung in den beiden Obergeschossen bietet sich dieser Blick. Im Inneren wird der Bezug zum Umland hergestellt, indem heimisches Lärchenholz für den Fußboden verwendet wurde. Für den Wohn- und Essbereich schließlich ließ sich der Architekt etwas Besonderes einfallen: Er wird geprägt durch einen etwa fünf Meter langen Tresen aus warmgewalztem Schwarzblech, an dessen einem Ende der Herd integriert ist, der zugleich jedoch auch als Arbeitsfläche und Esstisch dient. Am anderen Ende bildet ein Kamin den Abschluss. Seine Funktion ist der zentralen Feuerstelle einer Jurte, dem traditionellen Zelt der Nomaden in der Mongolei, nachempfunden. Er bildet das kommunikative Zentrum des Wohnraums. Hier kann die Familie bei knisterndem Feuer essen, sich unterhalten und Pläne für die nächsten Expeditionen schmieden.

Standort