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Kultur- und Kongresszentrum, Thun (CH)

Projekt

Kultur- und Kongresszentrum

Fertigstellung

2011

Architekt

EM2N Architekten AG, Zürich, CH

Ausführung

Marti Holding AG, Moosseedorf, CH

Bauherr

Amt für Stadtliegenschaften Thun, CH

Produkte

Vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem (StoVerotec Fassade) mit keramischer Bekleidung

Nach rund zwei Jahren Bauzeit wurde im April 2011 das neue Kultur- und Kongresszentrum in der schweizerischen Stadt Thun eröffnet. Das Architekturbüro EM2N aus Zürich erhielt die bestehende Veranstaltungshalle aus den 1980er- Jahren und ergänzte sie durch einen Mehrzwecksaal und ein großes Foyer. Obwohl Alt- und Neubau im Inneren funktional miteinander verbunden wurden, heben sie sich außen optisch klar voneinander ab.

Ursprünglich als Aula für das angrenzende Gymnasium entworfen, musste der 1987 erbaute sogenannte Schadausaal nach mehr als 25 Jahren intensiver Nutzung dringend saniert werden. Doch statt nur das undichte Flachdach zu reparieren sowie die maroden Fenster und die verschlissene Bestuhlung auszutauschen, nahm der Gemeinderat dies zum Anlass, das mittlerweile als Stadthalle genutze Gebäude zu einem Kongresszentrum auszubauen. Aus Kostengründen sollte der vorhandene Saal erhalten bleiben und durch einen zweiten ergänzt werden. 2005 lobte die Stadt Thun einen Wettbewerb aus, den das Züricher Architekturbüro EM2N gewann. Sie ergänzen die prominent zwischen Yachthafen und Schloss gelegene Stadthalle mit einem Neubau, der an die Südwest-Seite des Bestands anschließt. Zwar verstehen die Architekten das Innere als einen zusammenhängenden Bau, außen jedoch sind Alt und Neu klar voneinander zu unterscheiden. Während die Fassade des Schadausaals nach wie vor den Charme der 1980er-Jahre versprüht – die blassrote elementierte Hülle aus Metall wird von wintergartenähnlichen Anbauten durchbrochen – besteht die Außenhaut des Neubaus aus schmalen Keramikplatten, die je nach Lichteinfall schwarz bis rotbraun schimmern. Nicht nur in der Gestaltung der Fassade spielen die Architekten mit diesem subtilen Kontrast. Auch die beiden Kubaturen der Baukörper sind unterschiedlich. Der fensterlose unregelmäßigen Sechseckform des Schadausaals setzen sie einen polymorphen Baukörper entgegen, der sich in seiner Höhe dem Bestand unterordnet. Die wenigen großformatigen Öffnungen prägen den Neubau. Allen voran das Panoramafenster, das im Südwesten die Aufmerksamkeit der Passanten erregt. Es zieht sich über die komplette Stirnseite des Gebäudes und ist einige Meter in der Fassade zurückversetzt, so dass ein loggienartiger Außenraum entsteht, der jedoch nur von Innen zugänglich ist. Einem Schaufenster gleich weckt es die Neugier auf das Geschehen im Foyer. Ein zweites geschosshohes Fenster auf der Südseite des Baus sitzt dagegen bündig in der Fassade, hat aber den gleichen Effekt. Unweit von ihm überragt eine schmale Wand das mehrfach geknickte Dach des Neubaus und weist mit dem Logo des Kultur- und Kongresszentrums auf den Eingang hin. An eine Verteilerzone mit Garderobe schließt rechts der alte Schadausaal an, links geht es über einige Stufen in das höher gelegenene Foyer des Neubaus. Großzügig und offen präsentiert sich dieser zurückhaltend gestaltete Raum: Das Panoramafenster bietet einen weitschweifenden Blick über den Thuner See bis hin zu den Bergen des Berner Oberlandes. Wände und Decke sind glatt und weiß verputzt, der dunkle Gussasphaltboden ist geschliffen. Das mehrfach gefaltete Dach ergibt im Inneren ein lebendiges Deckenbild. Zum Lachensaal hin senkt sich die Decke ab und betont seinen Eingang. Anders als der Schadausaal, der eine feste Bühne und Platz für 740 Gäste bietet, ist dieser neue Saal ein einfacher, rechteckiger Raum ohne feste Einauten, der somit flexibler genutzt werden kann: Die individuell anpassbare Bühnendimension und -platzierung machen Konzerte, Messen und Sportveranstaltungen wie zum Beispiel Boxkämpfe möglich. Für mindestens 500 Besucher sollen hier Sitzplätze zur Verfügung stehen. Bei Bedarf kann das Foyer in die Veranstaltungen mit einbezogen werden, indem die fünf doppelflügeligen dunklen Holztüren geöffnet bleiben und somit einen ungehinderten Besucherfluss zwischen den Räumen ermöglichen.

Standort